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Jean Jacques Kravetz mit Liszt und Tücke auf der Wartburg – November 2012

Montag, 19. November 2012

Tach auch...

Dieser Musiker ist den Meisten weniger durch seinen Namen bekannt, dafür kennen aber viele seine Kompositionen. Es ist einer der Momente in dem man sich ehrfürchtig vor Leuten verneigen möchte, die einigen aus der Szene zu sehr viel Ruhm verholfen haben. Jean Jacques Kravetz ist einer von diesen. Seit mehr als 40 Jahren macht er in der Musik von sich reden, ohne dass man diesen französisch stämmigen Keyboarder wirklich wahr nimmt. Ohne ihre bekannteren Pendants nennen zu wollen, hat er mit seinen Kompositionen dafür gesorgt, dass eine Menge Songs von ihm bekannt geworden sind. Zu ihnen gehören: ?Bis ans Ende der Welt?, ?Seid willkommen in Berlin?, ?Diese Sucht die Leben heißt?, ?Tiefer?, ?Alter Mann?, ?Eiszeit?, ?Dead Bird on the Beach?, ?The First Step?, ?How the Gipsy was born? und viele andere.

Seit 2008 macht sich Jean Jacques Kravetz für die musikalische Förderung von jungen mittellosen Talenten stark und gründet die Musikstiftung ENTRÉE. Für diese finden in regelmäßigen Abständen Benefiz Konzerte statt. Dafür gewinnt Kravetz alte Weggefährten und Freunde, die mit ihm gemeinsam diese Konzerte bestreiten. So auch in diesem vorliegenden Fall. Seit Oktober liegt ein Konzertmitschnitt unter dem Namen ?Liszt & Live auf der Wartburg? im Handel bereit.

Liszt & Live auf der Wartburg

Das Album beginnt mit einer gehörigen Portion Klassik, wo ich zugeben muss, dass ich hier absoluter Volldepp bin, was dieses Genre angeht. Mit Sicherheit bin ich offen für eine gewisse Spielerei oder Experimente zwischen Rock, Pop und einem symphonischen Orchester. Wenn es aber um reine Klassik geht, so stehe ich wie die Kuh vorm Tore. Die altherkömmlichen Songs von einem Altmeister wie Franz Liszt zu hören ist sehr interessant für mich, ob diese Songs aber gut interpretiert wurden, wage ich mit meinen bescheidenen Mitteln nicht zu behaupten oder gar zu bewerten. Das überlasse ich lieber den Profis!

Dafür verfalle ich aber nach der klassischen Eröffnung in eine ca. 30 minütige Verzückung der Extraklasse. ?Let it rain?, ?Dead Bird on the Beach?, ?Sieben Brücken? und ?Star – Crossed? kommen als wundervolle Akustik Gitarren Nummern perfekt zur Geltung und verbreiten eine gediegene Atmosphäre der Sonderklasse. ?Dead Bird on the Beach? scheint Pascal irgendwie richtig auf den Leib geschneidert zu sein, obwohl der Song schon Jahre auf dem Buckel hat. Bisher kannte ich diesen von Pascal Kravetz nur als Full Contact Rock Version auf dem ?Jubile? Album und der Live Tour eines bekannten deutschen Musikers. Sogar die ?Sieben Brücken? kommen in dieser Form brillant rüber, auch wenn die Originalversion von Herbert Dreilich bei mir nie überboten werden wird. Das öffentliche Statement von Jean Jacques Kravetz, dass dieses die bisher schönste Coverversion sei, würde ich nach meinem Empfinden genau so unterschreiben. Gut gemacht! ?Lemon Tree? gehört zwar in der Setlist nicht in diesen Block, trotzdem würde ich diesen Song als sehr gelungen hier mit reinschreiben wollen.

Das man dann das Rockgenre nicht ganz außer Acht lassen möchte, liegt auf der Hand. Hat sich doch Jean Jacques Kravetz gerade hier verdient gemacht. ?Life?, ?Bad Case of Lovin You? , ?Radar Love? und ?How the Gipsy was Born? bringen den Rock in die altherwürdigen Räume der geschichtsträchtigen Burganlage, wenn auch mit spürbar angezogener Handbremse. Trotzdem erreichen die Protagonisten sicher das andere Ufer, ohne zwischendurch abzusaufen.

Ich empfinde die Aufnahme sowohl in der Umsetzung, die, wenn man sich mit dem Booklet beschäftigt, scheinbar nicht ganz freiwillig so zustande kam, als auch in der Qualität der Aufzeichnung als sehr gelungen. Manchmal benötigt es vielleicht gerade solche Umstände, um ein Musikerlebnis der Spitzenklasse festzuhalten. ?Liszt & Live auf der Wartburg? gehört für mich mit Sicherheit dazu…

Tschau...